Tempurateig selber machen ist einfacher, als du denkst – und das Ergebnis ist diesem hauchzarten, glasig-knusprigen Mantel um Gemüse, Garnelen oder Fisch, den du aus dem japanischen Restaurant kennst, zum Verwechseln ähnlich. Das Geheimnis liegt nicht in komplizierten Zutaten, sondern in einer einzigen Regel: Alles muss eiskalt sein, und der Teig darf nicht zu Tode gerührt werden.

An unserem allerersten Abend in Japan waren wir völlig überwältigt – mitten im Jetlag und nach einem Tag mit 20.000 Schritten vor allem eines: hungrig! Durch Zufall stolperten wir über einen Soba-Nudel-Shop, und ich wusste aus meinen Recherchen, dass kalten Soba-Nudeln mit Tempura ganz oben auf der „Müssen-wir-probieren“-Liste standen. Das mit dem frittierten Gemüse fand ich zwar im ersten Moment weniger spannend, da mir frittierte Dinge häufig viel zu fettig sind, aber getestet wurde natürlich trotzdem. Und nach dem ersten superknusprigen Bissen in eine Tempura-Lotuswurzel war ich sofort verliebt. So knusprig, federleicht und keineswegs ölig – wie lecker ist das denn bitte? Meine große Tempuraliebe war sofort geboren, und natürlich habe ich diese geniale Methode auch mit nach Hause gebracht.
In diesem Rezept zeige ich dir meine erprobte Tempurateig-Mischung aus Weizenmehl und Reismehl, die wichtigsten Profi-Tricks für maximale Knusprigkeit und die klassische japanische Dipsauce dazu.

Warum wird Tempurateig so knusprig?
Echtes Tempura ist nicht einfach nur ein „frittierter Backteig“ – die hauchdünne, splittrige Knusprigkeit entsteht durch drei ganz wesentliche Faktoren:
- Die richtige Mehlmischung: Ich habe beim Entwickeln des Rezepts verschiedene Verhältnisse durchprobiert und bin schließlich bei 85 % Weizenmehl und 15 % Reismehl gelandet. Das Reismehl (alternativ feine Speisestärke) ist hier der absolute Schlüssel – es enthält kein Gluten und macht den Teig dadurch besonders knusprig und leicht, statt brotig.
- Eiskaltes Sprudelwasser: Die Kohlensäure bringt zusätzliche Luft in den Teig, und die Kälte hemmt die Glutenbildung. Genau das verhindert, dass der Teig kleisterartig und zäh wird. Warmes Wasser wäre das sichere Ende jeder Knusprigkeit.
- Eine Prise Backpulver: Sorgt für den extra luftigen, leichten Biss direkt nach dem Frittieren.
Mein wichtigster Tipp – Eiswürfel im Teig: Ich messe die Wassermenge direkt mit Eiswürfeln ab, die dann während des Arbeitens im Teig schwimmen und ihn die gesamte Zeit eiskalt halten. So bleibt der Teig auch während des Frittierens perfekt auf Temperatur. Und ganz wichtig: Nur kurz und grob verrühren – kleine Mehlklümpchen sind hier nicht nur erlaubt, sie sind sogar ausdrücklich erwünscht! Wer den Teig komplett glattrührt, aktiviert das Gluten im Mehl und bekommt am Ende einen zähen statt einen knusprigen Mantel.
Welche Öltemperatur ist richtig?
Tempura wird bei ca. 160–170 °C frittiert – das ist etwas niedriger als bei den meisten anderen Frittiergerichten. So wird verhindert, dass der zarte Teig zu schnell bräunt, bevor das Gemüse im Inneren überhaupt gar ist.
Der Holzstäbchen-Test (ohne Thermometer): Halte den Stiel eines Holzkochlöffels oder ein Essstäbchen aus unbehandeltem Holz ins heiße Öl. Steigen lebhafte, feine Bläschen am Holz nach oben, ist die Temperatur perfekt. Steigt der Schaum heftig und sprudelnd auf, ist das Öl bereits zu heiß.

Was kann ich im Tempurateig frittieren?
Tempura ist herrlich vielseitig. Besonders gut eignen sich folgende Zutaten:
- Gemüse: Karotten, Brokkoli, Blumenkohl, Auberginen, Zucchini, Süßkartoffeln, Kürbisspalten oder Lotuswurzeln.
- Bohnen & Schoten: Grüne Bohnen und feine Zuckerschoten.
- Pilze: Enoki, Kräuterseitlinge oder Austernpilze.
- Blätter & Zwiebeln: Shiso- oder Schwarznesselblätter sowie Frühlingszwiebeln.
- Meeresfrüchte & Fisch: Riesengarnelen (der absolute Klassiker!), Lachs oder Kabeljau.
Tipp: Schneide alles in mundgerechte, möglichst gleichmäßige Stücke – so garen sie gleichzeitig. Festere Gemüse wie Karotten oder Kürbis solltest du besonders dünn schneiden, damit sie in der kurzen Frittierzeit im Kern gar werden.

Die klassische Dipsauce (Tentsuyu)
Die typisch japanische Tempura-Dipsauce besteht aus Dashi, Sojasauce, Reisessig und etwas braunem Zucker. Sie ist in zwei Minuten zusammengerührt und schmeckt herrlich umami. Das genaue Rezept findest du weiter unten in der Rezeptkarte. Serviert wird klassisch mit der warmen Sauce zum Eintunken – in Japan wird diese Kombination oft zu kalten Soba- oder Udon-Nudeln gereicht.
Tempura richtig servieren – am besten sofort
Das muss ich ehrlich sagen: Tempura ist ein absolutes Frischgericht. Seine ganze Magie – die hauchzarte Knusprigkeit – hält nur wenige Minuten. Deshalb gilt:
- Sofort servieren, solange es noch heiß und knusprig ist.
- Immer portionsweise frittieren und direkt auf den Tisch bringen, statt alles zu sammeln und warmzuhalten.
- Aufbewahren oder Aufwärmen lohnt sich hier nicht wirklich – aufgewärmtes Tempura verliert seine Textur und wird weich. Falls es doch einmal nötig sein sollte: Kurz im Airfryer oder Backofen aufknuspern, niemals in der Mikrowelle – da wird es augenblicklich labberig.
Bereite deshalb lieber alle Komponenten in Ruhe vor (Gemüse fertig schneiden, Sauce anrühren, Teig eiskalt stellen) und frittiere erst exakt in dem Moment, wenn alle am Tisch sitzen.

Tempura Teig Rezept Original
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Zutaten für das Tempura-Gemüse:
- 160 g Weizenmehl Typ 405 oder Typ 550
- 30 g Reismehl oder Speisestärke
- 1 Prise Salz
- 360 ml Mineralwasser mit Kohlensäure eiskalt
- 300 g Gemüse z.B. Prinzessbohnen, Karotten, Blumenkohl, Schwarznesselblätter, Aubergine usw.
- 950 ml Pflanzenöl
- 50 ml Sesamöl
Zutaten für die Dipsoße:
- 200 ml Dashi
- 3 EL Sojasoße
- 2 EL Reisessig
- 1 TL brauner Zucker
Anleitung
- Vermenge 160 g Weizenmehl mit 30 g Reismehl und 1 Prise Salz und rühre es mit 360 ml Mineralwasser mit Kohlensäure zu einem glatten Teig.
- Schneide 300 g Gemüse in mundgerechte Stücke und lege es parat. Erhitze 950 ml Pflanzenöl und 50 ml Sesamöl in einem Topf oder einen Fritteuse auf ca. 160 °C.Mein Tipp: Ohne Küchenthermometer kannst du die Temperatur des Öls mit einem Holzkochlöffel oder einem Essstäbchen aus unbehandeltem Holz testen. Halte einfach den Stiel des Löffels hinein. Steigen lebhafte Blasen auf, ist das Öl heiß genug um die Tempura darin zu frittieren.
- Vermenge derweil 200 ml Dashi, 3 EL Sojasoße, 2 EL Reisessig und 1 TL brauner Zucker für die Dipsoße und stelle diese parat.
- Tunke das Gemüse in den Tempura Teig. Hebe das Gemüse dann wieder aus dem Teig, lass es kurz abtropfen und gib es dann direkt ins heiße Öl. Dort darf das Tempura-Gemüse frittieren, bis es goldgelb ist.
- Lass das Tempura Gemüse auf etwas Küchenrolle abtropfen. Servier es solange es noch heiß ist mit der Dipsoße.
Tipps
Ungefähre Nährwerte pro Portion
Häufige Fragen zum Tempurateig
Meistens sind der Teig oder das Wasser nicht kalt genug gewesen, oder der Teig wurde zu lange und intensiv gerührt. Alles muss eiskalt sein, und der Teig darf nur grob verrührt werden – Klümpchen sind hier ausdrücklich erwünscht. Zu starkes Rühren aktiviert das Gluten und macht den Teig zäh.
Ja, ersetze das Reismehl einfach durch die gleiche Menge Speisestärke (Mais- oder Kartoffelstärke). Das Ergebnis ist fast identisch knusprig. Wichtig ist nur, dass ein Teil glutenfreie Stärke im Teig vorhanden ist, um die Struktur aufzulockern.
Die Kälte hemmt die Glutenbildung (das verhindert einen zähen Teig), die Kohlensäure bringt feine Luftbläschen in den Teig (das macht ihn knusprig-leicht). Beides zusammen bildet das eigentliche Tempura-Geheimnis.
Ca. 160–170 °C – das ist etwas niedriger als bei anderem Frittiergut, damit der zarte Teig nicht verbrennt, bevor das Gemüse im Kern gar ist. Der Holzstäbchen-Test hilft dir dabei: Feine, lebhafte Bläschen bedeuten, dass es perfekt ist.
Den Teig und die Sauce ja, das fertig frittierte Tempura dagegen nein. Tempura schmeckt nur frisch aus dem Fett wirklich überragend. Also schneide das Gemüse, rühre die Sauce an und stelle den Teig kalt – frittiert wird erst kurz vor dem Servieren.
Was wandert bei dir am liebsten in den Tempurateig – klassisch knackiges Gemüse oder doch lieber edle Garnelen? Verrate es mir gerne in den Kommentaren!











