Lemon Curd ist einer dieser Rezept-Klassiker der britischen Küche, in die man sich beim ersten Löffel verliebt: eine intensiv fruchtige, sonnengelbe Zitronencreme, samtig und cremig, mit genau der richtigen Balance aus Süße und feiner Säure. Traditionell gehört sie in England zum Afternoon Tea – auf frischem Scone, Toast oder als Füllung für Kuchen und Tartes. Und die gute Nachricht: Selbstgemacht ist Lemon Curd erstaunlich einfach, wenn du zwei, drei Dinge beachtest.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Reise nach London. In einer Bäckerei gab es „Lemon Cupcakes“, die ich als bekennender Zitronenkuchen-Fan natürlich testen musste. Und ich war sowas von hin und weg! Denn der Cupcake war mit Lemon Curd gefüllt, den ich bis dahin nicht kannte. Cremig, ultrazitronig, angenehm sauer und einfach sagenhaft lecker. Und weil Lemon Curd auch erfreulich einfach selbst zu machen ist, gibt es ihn seitdem bei jeder Gelegenheit.
Seit über zehn Jahren ist er fester Bestandteil meiner Desserts und noch habe ich nicht genug. Kurioserweise hat er es bisher jedoch nie auf den Blog geschafft. Das kann ich natürlich nicht so stehen lassen, deswegen verrate ich dir jetzt nicht nur mein Rezept, sondern auch alle Tipps und Tricks, die ich in den letzten zehn Jahren gesammelt habe.

Was ein echtes Lemon Curd Originalrezept ausmacht
Anders als ein Zitronenpudding, der mit Stärke und Ei gebunden wird, wird klassisches Lemon Curd allein durch Eier gebunden – das gibt ihm die charakteristische samtige, dichte Textur. Die traditionelle britische Methode kommt dabei mit vier Zutaten aus: frische Zitronen, Eier, Zucker und Butter. Kein Bindemittel, keine Abkürzung.
Zwei Details machen den Unterschied zwischen einem guten und einem außergewöhnlichen Curd:
- Frische Zitronen – Abrieb und Saft: Der Abrieb enthält die ätherischen Öle der Schale und liefert das eigentliche, intensive Zitronenaroma; der Saft bringt die Säure. Nur beides zusammen ergibt den vollen, runden Zitrusgeschmack. Verwende unbedingt unbehandelte, am besten Bio-Zitronen, da du die Schale mitverwendest. Sie sollte leuchtend gelb sein, denn dann hat sie das meiste Aroma.
- Das Ei-Verhältnis: Zwei Eigelb plus ein ganzes Ei sind die goldene Mitte: Die zusätzlichen Eigelbe machen den Curd besonders cremig und reichhaltig, das ganze Ei gibt genug Stabilität für eine schnittfeste Konsistenz nach dem Kühlen.

Der wichtigste Schritt: sanfte Hitze im Wasserbad
Der einzige, aber große Stolperstein beim Lemon-Curd-Selbermachen ist zu vermeiden, dass die Eier zu Rührei werden. Denn sie gerinnen bei direkter Hitze sehr schnell. Deshalb wird Lemon Curd von niemandem direkt im Topf, sondern immer langsam und schonend über dem Wasserbad gekocht.
Die Schüssel hängt über – nicht in – leicht köchelndem Wasser. Der Wasserdampf überträgt eine sanfte, indirekte Hitze, die die Eier langsam und gleichmäßig eindicken lässt, ohne dass sie stocken. Zwei Regeln dabei:
- Beständig rühren: Ununterbrochenes Rühren verteilt die Wärme und verhindert, dass die Eimasse an einer Stelle zu heiß wird und gerinnt.
- Die Temperatur im Blick behalten: Lemon Curd dickt bei 80–83 °C ein. Ein Küchenthermometer gibt dir hier Sicherheit – darüber riskierst du, dass das Ei stockt.
Der Löffeltest ohne Thermometer: Tauch einen Löffel in die Creme. Stimmt die Konsistenz, bedeckt er die Rückseite vollständig. Wenn du mit dem Finger eine Spur durch die Creme ziehst, bleibt diese außerdem deutlich erkennbar und die Creme läuft nicht sofort wieder zusammen. Das ist der einfachste Test, um die richtige Konsistenz zu ermitteln.

Kalte Butter zum Schluss – das Geheimnis der Seidigkeit
Der letzte Schritt macht aus einer guten Zitronencreme ein glänzendes, seidiges Lemon Curd: Die kalte Butter kommt erst hinein, wenn die Schüssel vom Wasserbad genommen ist.
Rühre die kalten Butterwürfel nach und nach unter die noch heiße Creme. Durch das Einrühren emulgiert die Butter – sie verbindet sich mit der Masse zu einer homogenen, glänzenden Creme, statt nur obenauf zu schmelzen. Diese Emulsion gibt dem Curd seinen typischen Glanz und die vollmundige Textur. Nimm dir Zeit und arbeite die Butter gründlich ein.
Zum Schluss streichst du den Curd durch ein feines Sieb – das entfernt den Zitronenabrieb und eventuelle kleine Eiflöckchen, sodass die Creme perfekt glatt wird.
Lemon Curd aufbewahren
Fülle den heißen Lemon Curd direkt in ein sauberes Glas mit gut schließendem Deckel und lass ihn abkühlen. Im Kühlschrank wird er deutlich fester – die Butter erstarrt und das Ei bindet vollständig, sodass aus der zunächst noch fließenden Creme ein streichfester Aufstrich wird.
Im Kühlschrank hält sich selbstgemachtes Lemon Curd fünf bis sieben Tage. Da er frische Eier enthält und ohne Konservierung auskommt, solltest du ihn in diesem Zeitraum aufbrauchen – was erfahrungsgemäß kein Problem ist.

So verwendest du Lemon Curd
Lemon Curd ist wunderbar vielseitig:
- Klassisch britisch: auf frischen Scones, Toast oder Brioche. Ich liebe ihn auch zu frisch gebackenen Croissants.
- Als Kuchenfüllung: zwischen Tortenböden, in Cupcakes oder als Tarte-Füllung.
- Zu Cremigem: untergerührt in Joghurt, Quark oder über Eis und Pancakes.
- Als Dessert: Pur im Gläschen oder als Zitronen Tiramisu.
Lemon Curd Rezept: samtige Zitronencreme selber machen
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- 2 Zitronen Abrieb
- 80 ml Zitronensaft
- 2 Eigelb
- 1 Ei
- 200 g Zucker
- 100 g Butter kalt in kleine Würfel geschnitten
Anleitung
- Fülle etwa 2-3 cm Wasser in deinen Topf und bringe es zum Köcheln. Gib den Zitronenabrieb, den Zitronensaft, die beiden Eigelbe, das ganze Ei und den Zucker zusammen in eine hitzebeständige Schüssel.
- Stelle die Schüssel auf den Topf mit dem Wasserdampf. Rühre die Masse beständig um, damit das Ei nicht stockt. Nach einigen Minuten sollte die Flüssigkeit deutlich cremiger werden.
- Die Creme ist fertig, wenn du einen Löffel hinein tunkst und die Creme die Rückseite des Löffels komplett bedeckt, ohne herunter zu laufen. Ziehst du nun mit dem Finger eine Spur durch die Creme, bleibt sie klar und verläuft nicht sofort wieder. Wenn du ein Küchenthemometer hast, dann kannst du auch die Temperatur im Auge behalten. Der Lemoncurd sollte nämlich eine Temperatur von 80-83 °C erreichen.
- Nimm die Schüssel nun vom Wasserbad und rühre nach und nach die Butterstücke unter. Das Rühren ist hier sehr wichtig, denn nur dann emulgiert die Butter auch schön und lässt sich zu gut in die Creme einarbeiten. Gib den Lemoncurd nun durch ein feines Sieb um die Reste der Zitronenschale herauszusieben.
- Fülle nun den heißen Lemoncurd in ein sauberes Glas mit gut schließendem Deckel. Lass ihn abkühlen und stelle ihn dann in den Kühlschrank. Er wird im Kühlschrank deutlich fester. Im Kühlschrank hält der Lemoncurd ohne Weiteres 5-7 Tage.
Ungefähre Nährwerte pro Portion
Häufige Fragen zu Lemon Curd
Die indirekte Hitze des Wasserdampfs lässt die Eier sanft und gleichmäßig eindicken, ohne dass sie gerinnen. Direkt im Topf wird die Masse zu heiß und stockt zu Rührei.
Er dickt bei 80–83 °C ein. Ohne Thermometer hilft der Löffeltest: Bedeckt die Creme die Löffelrückseite und bleibt eine mit dem Finger gezogene Spur stehen, ist er fertig.
Kalt und nach dem Wasserbad untergerührt, emulgiert die Butter und gibt dem Curd seinen seidigen Glanz. Würde sie mitgekocht, fehlte diese Textur.
Ja. Limette, Orange oder Blutorange funktionieren nach demselben Prinzip. Bei süßeren Früchten wie Orange reduzierst du den Zucker etwas, da die Säure geringer ist. Und auch andere Früchte wie Erdbeeren, Maracujas, Himbeeren oder sogar Rhabarber kannst du in Curd verwandeln. Ersetze einfach den Zitronensaft durch die gleiche Menge Fruchtpüree.
Meist wurde er nicht heiß genug oder zu kurz gerührt. Er dickt erst ab etwa 80 °C richtig ein und wird im Kühlschrank nochmals deutlich fester – gib ihm Zeit im Wasserbad und danach zum Kühlen.
Ja, Lemon Curd lässt sich gut einfrieren und hält so mehrere Monate. Zum Verwenden über Nacht im Kühlschrank auftauen und einmal durchrühren.
Wozu isst du deinen Curd am liebsten? Verrate es mir in den Kommentaren!









