Es gibt Gerichte, die fühlen sich an wie eine warme Umarmung. Eine Schüssel heiße Suppe mit seidigen, gefüllten Teigtaschen gehört definitiv dazu! Wan Tans (oder Wontons) sind der Inbegriff der chinesischen Wohlfühlküche. Egal ob als Einlage in einer klaren Brühe oder geschwenkt in scharfem Chili-Öl – sie schmecken einfach immer.

An Wan Tans habe ich mich lange nicht herangetraut, denn das Falten war mir suspekt. Ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Füllung ausläuft und es eine riesige Sauerei gibt. Allerdings sind Wan Tans aus dem Handel häufig mit Fleisch gefüllt. Da ich mich hauptsächlich vegetarisch ernähre, musste also eine eigene Lösung her und ich habe es gewagt. Denn für Wan Tans braucht man keinesfalls immer Fleisch. Die wahre Magie liegt in der Würzung.
Meine Version ist rein pflanzlich, überzeugt aber durch eine Wan-Tan-Füllung voller Umami (dank Shiitake und Sojasauce), die selbst Skeptiker umhaut. In diesem Guide zeige ich dir, wie du die kleinen Kunstwerke faltest, kochst und perfekt vorbereitest.

Die Zutaten für die perfekte Wan-Tan-Füllung
Das Geheimnis einer guten Füllung ist nicht das Fleisch, sondern die Textur und die Aromen-Balance.
- Tofu (statt Hack): Wir verwenden festen Naturtofu.
- Profi-Tipp: Drücke den Tofu vorher unbedingt aus (in Küchenpapier wickeln und beschweren), damit er weniger wässrig ist und die Gewürze besser aufnimmt. Du kannst auch Räuchertofu für mehr Tiefe nehmen. Noch trockener wird der Tofu, wenn du ihn vorab einfrierst. Nach dem Auftauen lässt sich noch viel mehr Flüssigkeit ausdrücken.
- Shiitake-Pilze: Sie sind der natürliche Geschmacksverstärker (Umami). Ich empfehle dir getrocknete Shiitake, die du einweichst. Sie schmecken viel intensiver als frische Pilze.
- Die Aromen-Basis: Ingwer, Knoblauch und Frühlingszwiebeln sind unverzichtbar.
- Die Würze: Sojasauce (salzig), Reisessig (Säure) und Sesamöl (nussiges Aroma) sorgen für den typischen Geschmack.

Der Wan-Tan-Teig: Selber machen oder kaufen?
Hier gibt es erst mal kein Richtig oder Falsch. Wofür du dich entscheidest, hängt von deinem Zeitplan und deiner Abenteuerlust ab:
- Selber machen: Das geht, ist aber Arbeit. Wenn du Zeit hast, findest du hier mein Rezept für Wan Tan Teig. Es ist in diesem Fall ein kleines Projekt, aber du wirst mit den leckersten Wan Tans belohnt!
- Kaufen (Meine Empfehlung, wenn’s schnell gehen muss): In jedem Asiamarkt findest du im Tiefkühlfach fertige „Wonton Wrappers“. Sie sind hauchdünn, meist quadratisch und gelb (durch Kurkuma oder Ei). Achte darauf, dass du die für „Soup“ (Suppe) nimmst, wenn du sie kochen willst, oder die für „Fry“ (Frittieren), wenn sie knusprig sein sollen. Wichtig: Lass den TK-Teig langsam im Kühlschrank auftauen.
Wan Tans falten: 3 einfache Methoden
Falten macht am meisten Spaß, wenn man es gemeinsam am Küchentisch macht! Hier sind drei Varianten, von „Express“ bis „Profi“. Zubehör: Stell dir eine kleine Schale mit Wasser bereit, um die Ränder zu befeuchten.
- Das Dreieck (Easy): Füllung in die Mitte, zu einem Dreieck zusammenklappen, Ränder festdrücken. Fertig.
- Die Mütze (Klassisch): Erst zum Dreieck falten. Dann die zwei unteren Ecken des Dreiecks nehmen, mit einem Tropfen Wasser benetzen, übereinanderklappen und festdrücken. Das sieht aus wie eine kleine Bischofsmütze oder Tortellini.
- Der Raff-Beutel: Teig in die Hand nehmen, Füllung in die Mitte, und den Teig einfach oben locker zusammendrücken („raffen“), als würdest du einen Geldbeutel zuschnüren. Perfekt für Suppen, da die Falten viel Brühe aufnehmen!
Das wichtigste Gesetz beim Falten!
Wan-Tan-Teig trocknet extrem schnell aus und wird dann brüchig. Mein Tipp: Decke den Stapel Teigblätter immer mit einem feuchten Küchenhandtuch ab, während du arbeitest. Auch die fertig gefalteten Wan Tans sollten unter einem Tuch warten, bis sie in den Topf kommen.

Garen: Suppe oder Chili-Öl?
Du hast zwei geniale Möglichkeiten, deine Wan Tans zu servieren:
- Die Suppen-Variante (Klassisch): Koche die Wan Tans separat in Wasser (ca. 3–4 Min., bis sie oben schwimmen). Gib sie erst kurz vor dem Servieren in deine heiße Gemüsebrühe oder Dashi. So bleibt die Brühe klar.
- Sichuan Style (Chili Oil Wontons): Gare die Wan Tans im Wasser, schöpfe sie ab und gib sie in eine Schüssel. Übergieße sie mit einer Mischung aus Sojasauce, schwarzem Reisessig, Sesamöl und reichlich Crispy Chili Öl. Mit Frühlingszwiebeln toppen – ein Gedicht!
Meal Prep: Wan Tans einfrieren
Wan Tans sind das perfekte Meal Prep. So geht’s: Lege die fertig gefalteten (rohen!) Wan Tans mit etwas Abstand auf ein bemehltes Brett und stelle es für 1 Stunde in den Tiefkühler („anfrieren“). Danach kannst du sie platzsparend in einen Beutel packen. Zubereitung: Wirf sie gefroren direkt ins kochende Wasser. Sie brauchen nur 1–2 Minuten länger.

Wan Tan Rezept Original
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- 1 Portion Wan Tan Teig
- 1 Knoblauchzehe
- 10 g Ingwer
- 200 g Tofu fest
- 2 Frühlingszwiebeln
- 10 g Shiitake getrocknet oder 40 g Shiitake frisch
- 1 Karotte
- 4 EL Sojasauce
- 2 EL Reisessig
- 1 EL Sesamöl
- 1 Chili optional
Anleitung
- Reibe die Knoblauchzehe und den Ingwer sehr fein. Gib beides in eine Schüssel und füge den zerkrümelten Tofu hinzu. Hacke die Frühlingszwiebeln sehr fein. Weiche die getrockneten Shiitake Pilze in warmem Wasser ein und hacke sie dann ebenfalls fein.
- Schäle und Rasple die Karotte und gib sie zusammen mit Sojasauce, Reisessig und Sesamöl mit zur Wan Tan Füllung. Füge etwas Chili nach Geschmack dazu. Lass die Wan Tan Füllung ca. 30 Minuten ziehen und bereite derweil den Wan Tan Teig vor.
- Nimm ein Blatt Wan Tan Teig in die Hand. Gib ca. 1 TL Füllung darauf. Benetze eine Hälfte des Wan Tan Teiges mit etwas Wasser und verschließe das Wan Tan. Du kannst hier verschiedene Techniken verwenden. Du kannst sie zum Beispiel wie einen Tortellini falten, einfach nur in der Mitte zusammenkleben oder den Wand in Wellen festdrücken.
- Bringe einen Topf mit Wasser zum kochen und gib die fertigen Wan Tans vorsichtig hinein. Gare sie für 3-4 Minuten und serviere sie dann nach Herzenslust mit würziger Gemüsebrühe als leckere Wan Tan Suppe.
Tipps
Ungefähre Nährwerte pro Portion
Fragen & Antworten zum Wan-Tan-Rezept
„Dumpling“ ist der Überbegriff für alle Teigtaschen. Übrigens fallen auch unsere deutschen Knödel unter den Begriff Dumpling – die Bandbreite ist hier also recht groß.
Wan Tan: Meist quadratischer, dünnerer Teig, klassisch gekocht in Suppe serviert.
Gyoza (Jiaozi): Meist runder, etwas dickerer Teig, werden oft erst gebraten und dann gedämpft („Potstickers“).
Dann waren die Ränder nicht gut verschlossen. Achte darauf, die Ränder mit genug Wasser zu benetzen und wirklich fest zusammenzudrücken. Drücke außerdem so viel Luft wie möglich aus der Tasche heraus, bevor du sie verschließt. Luftblasen können sich im heißen Wasser ausdehnen und den Teig sprengen.
Da dieses Rezept vegan ist (Tofu & Gemüse): Ja, theoretisch schon! Das ist der große Vorteil gegenüber Fleischfüllungen. Du kannst die Füllung also probieren und perfekt abschmecken, bevor du sie in den Teig packst.
Wie isst du deine Wan Tans am liebsten? Bist du Team Suppe oder Team Chili-Öl? Verrate es mir in den Kommentaren!









