Gibt es ein vielseitigeres Lebensmittel als die Kartoffel? Sie kann cremig, knusprig, butterzart oder herzhaft-deftig sein – und das Beste daran? Sie passt wirklich zu allem!

Als bekennender Kartoffel-Fan stand ich früher häufiger mal fasziniert (und latent überfordert) in der Kartoffelabteilung im Supermarkt oder beim Bauern auf dem Wochenmarkt und wusste eigentlich nie so wirklich, welche Kartoffeln ich jetzt eigentlich kaufen soll. Mehlig? Festkochend? Oder doch vorwiegend festkochend? Und was sind eigentlich Drillinge? Ich habe mich der Einfachheit halber früher immer für vorwiegend festkochend entschieden – also die gefühlte Mitte. Wird schon schiefgehen.
Das ging auch so manches Mal beinahe schief, denn die Wahl der falschen Sorte kann schnell für Frust sorgen: Ein Kartoffelsalat, der zu Brei zerfällt, oder ein Püree, das kleisterig statt fluffig wird. Damit dir das nicht passiert, bringe ich heute Licht ins „Kartoffeldunkel“. In diesem Guide erfährst du ganz genau, welche Kartoffel sich für was eignet – von Omas Kartoffelsalat bis zum perfekten Püree.

Die 3 Kartoffel-Typen: Der Stärkegehalt entscheidet
Kartoffeln unterscheiden sich vor allem in ihrem Stärkegehalt. Diese Stärke bestimmt, ob die Kartoffel beim Kochen fest bleibt oder zerfällt.
1. Festkochende Kartoffeln – Die Speckigen Diese Kartoffeln haben den niedrigsten Stärkegehalt (ca. 14 %). Ihre Zellen platzen beim Kochen nicht auf, weshalb sie ihre feste Struktur behalten. Sie sind schnittfest, haben einen kernigen, je nach Sorte fast schon wachsigen Biss und eine feine, glatte Konsistenz.
- Perfekt für: Kartoffelsalat (sie matschen nicht!), Ofenkartoffeln, Bratkartoffeln (für Biss), Gratins.
- Beliebte Sorten: Sieglinde (der Klassiker!), Annabelle, Nicola, Linda.
- Profi-Tipp: Für den besten Kartoffelsalat die festkochenden Knollen noch heiß pellen und lauwarm in die Marinade schneiden – so ziehen sie am besten durch.
2. Vorwiegend festkochende Kartoffeln – Die Allrounder Diese Sorte ist der goldene Mittelweg (Stärkegehalt ca. 15 %). Sie werden beim Kochen weicher als die festkochenden, behalten aber trotzdem ihre Form, ohne zu zerfallen. Wenn du nur eine Sorte kaufen willst, nimm diese!
- Perfekt für: Salz- & Pellkartoffeln, Pommes Frites, Kartoffel Wedges, Eintöpfe, Aufläufe, Rösti und Kartoffelpuffer.
- Beliebte Sorten: Gala, Marabel, Agria (super für Pommes!), Laura (rote Schale).
- Profi-Tipp: Für knusprige Bratkartoffeln diese Sorte am Vortag als Pellkartoffel kochen. Über Nacht festigt sich die Stärke, und sie werden in der Pfanne genial kross. Dabei entsteht übrigens resistente Stärke, die sehr gut für die Darmflora ist.
3. Mehligkochende Kartoffeln – Die Cremigen Hier ist der Stärkegehalt am höchsten (über 16 %). Beim Kochen platzen die Schalen oft auf, und das Innere wird trocken, weich und krümelig. Sie zerfallen fast von selbst.
- Perfekt für: Kartoffelpüree, Gnocchi, Kartoffelknödel, cremige Kartoffelsuppen, Kroketten.
- Beliebte Sorten: Adretta, Augusta, Afra, Blauer Schwede (lila Fruchtfleisch – sehen grandios aus!).
- Wichtig: Bitte mach niemals Kartoffelsalat aus mehligkochenden Kartoffeln – du erhältst nur Matsch! Umgekehrt wird ein Püree aus festkochenden Kartoffeln oft schleimig statt fluffig.
Tabelle: Welche Kartoffel eignet sich für welches Gericht?
Hier hast du den schnellen Überblick für deinen Einkauf

Spezialfall: Was sind eigentlich Drillinge?
Drillinge sind keine eigene biologische Sorte, sondern eine Größenbezeichnung. Es sind besonders kleine Kartoffeln (25–40 mm), die oft eine sehr dünne, zarte Schale haben. Du kannst sie mit Schale essen – einfach waschen, halbieren und ab in den Ofen oder die Pfanne. Sie schmecken oft intensiver und nussiger als ihre großen Geschwister.
Bunte Kartoffeln
Wir alle kennen Kartoffeln mit leuchtend gelbem Fruchtfleisch. Aktuell sieht man vor allem auf Wochenmärkten und direkt beim Erzeuger aber auch immer häufiger Sorten mit rosa oder intensiv lila Fruchtfleisch. Diese Sorten sehen grandios aus und machen vor allem als Ofenkartoffeln oder im Kartoffelsalat echt was her. Sie können sowohl festkochend, vorwiegend festkochend als auch mehligkochend sein, denn auch hier gibt es verschiedene Sorten. Meist ist es auf dem Schild ausgezeichnet (beschriftet), im Zweifel frag aber lieber beim Verkaufspersonal nach.
Und was ist mit der Süßkartoffel?
Auch wenn sie so heißt: Die Süßkartoffel ist botanisch gesehen gar keine Kartoffel (Nachtschattengewächs), sondern ein Windengewächs.
- Geschmack: Süßlich, fast wie Kürbis oder Möhre.
- Verwendung: Süßkartoffel-Pommes, Püree, Currys oder gebacken aus dem Ofen.
- Tipp: Sie gart oft schneller als normale Kartoffeln.

Kartoffeln richtig lagern: So bleiben sie frisch
Damit deine Kartoffeln nicht keimen oder schrumpeln, mögen sie es:
- Dunkel: Licht lässt sie grün werden (das giftige Solanin entsteht).
- Kühl: Aber nicht zu kalt! Der Kühlschrank ist oft zu kalt (unter 4 °C wandelt sich Stärke in Zucker um, die Kartoffel schmeckt süß). Ein kühler Keller oder eine Speisekammer sind ideal.
- Luftig: Nimm sie aus der Plastiktüte! In einem Jutesack oder einer Holzkiste fühlen sie sich am wohlsten.
- Nicht neben Äpfeln: Äpfel strömen Reifegase aus, die Kartoffeln schneller keimen lassen.
Gesund oder Dickmacher? (Mythen-Check)
Kartoffeln haben zu Unrecht einen Ruf als Dickmacher. Gekocht haben sie auf 100 g nur ca. 70 Kalorien – das ist weniger als die Hälfte von gekochten Nudeln oder Reis! Sie sind reich an Vitamin C, Kalium und hochwertigem Eiweiß. Zur „Kalorienbombe“ werden sie erst, wenn wir sie frittieren oder in Sahne ertränken. Als Pellkartoffel mit Quark sind sie eines der gesündesten Essen überhaupt.

Fazit: Die Sorte macht den Unterschied
Egal, welche Kartoffel du für welches Gericht wählst – am Ende entscheidet dein Geschmack. Aber grundsätzlich gilt:
- Willst du Struktur & Biss? -> Festkochend.
- Willst du Cremigkeit & Fluffigkeit? -> Mehligkochend.
- Willst du flexibel bleiben? -> Vorwiegend festkochend.
Hast du jetzt Lust bekommen? Dann stöbere doch mal durch meine Kartoffel-Rezepte! 🥔✨






